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Kenan Kocak: „Ich bin dem DFB sehr dankbar“

Mannheim. Die Strapazen der vielleicht anstrengendsten Phase in seinem Leben sind Kenan Kocaks Stimme deutlich anzuhören. "Die Belastung war heftig. Momentan fühle ich mich durch den ganzen Stress ein bisschen leer. Ich brauche noch ein paar Tage Zeit, um das alles sacken zu lassen und runterzukommen", sagt der Trainer von Regionalliga-Spitzenreiter SV Waldhof, der seit Mittwochabend auch offiziell Mitglied im erlauchten Kreis der lizenzierten deutschen Fußball-Lehrer ist.

Bei einem Festakt im Palais Frankfurt bekamen die 25 Absolventen des 62. Fußball-Lehrer-Lehrgangs ihre Zeugnisse überreicht - unter ihnen neben Kocak auch der Hoffenheimer Bundesliga-Coach Julian Nagelsmann.

Eine besondere Herausforderung

Zehn Monate lang pendelte der Waldhof-Trainer die 225 Kilometer zwischen Mannheim und dem rheinischen Hennef, von Montagmorgen bis Mittwochabend war Kocak in der Sportschule an der Sieg voll mit dem umfangreichen Stoff ausgelastet - und parallel dazu musste der 35-Jährige die Partien seines SVW vorbereiten. Eine Doppelbelastung, die auf Dauer schlaucht. "Erst in ein paar Wochen werde ich wohl so richtig realisieren, was ich eigentlich geleistet habe", meint Kocak, der die Prüfungen am vergangenen Montag beendete.

Ob Physiologie, Psychologie, Ernährungslehre oder Regelkunde - die weltweit als Vorbild gelobte DFB-Trainerausbildung deckt sämtliche Facetten der Arbeit mit einer Profi-Mannschaft ab. Für Kocak war der Lehrgang, der jeden Absolventen rund 9000 Euro kostet, auch deshalb eine riesige Herausforderung, weil er im Gegensatz zu einigen Kollegen kaum Vorerfahrung mit Prüfungssituationen oder dem Schreiben von Hausarbeiten hatte. "Ich habe kein abgeschlossenes Studium oder ähnliches und musste mich nach all den Jahren, in denen ich von der Schule weg war, wieder reinarbeiten und reinkämpfen", erklärt er.

Aber all die Mühen, Qualen und großen Belastungen für die Familie in Mannheim haben sich am Ende ausgezahlt. "Ich bin dem DFB und Ausbilder Frank Wormuth persönlich sehr dankbar, dass ich diese fantastische Ausbildung genießen durfte, die mich mit Sicherheit weitergebracht hat. Ich werde viele Dinge, die ich gelernt habe, in meine tägliche Arbeit einfließen lassen", versichert Kocak.

Mit dem Fußball-Lehrer-Schein in der Tasche steht dem früheren Mittelfeldspieler nun die Trainer-Welt offen. Und der SV Waldhof hat bei einem möglichen Aufstieg in die Dritte Liga nun auch formell ausreichend qualifiziertes Personal auf der Bank sitzen - die Profi-Lizenz des Trainers ist ab dieser Spielklasse unabdingbare Voraussetzung.

Ohne die Rücksichtnahme und Hilfe seines Klubs wäre das immense Pensum im Rheinland ohnehin nicht zu bewältigen gewesen, betont Kocak. "Ich muss meinem Trainerteam beim SV Waldhof ein Riesenkompliment machen, es hat mich toll unterstützt", sagt der 35-Jährige. Befürchtungen, die Leistungen des Teams könnten unter der Ausbildung leiden, haben sich ebenfalls in Luft aufgelöst. In seinem ersten Spiel als Fußball-Lehrer empfängt Kocak mit dem SVW am Samstag (14 Uhr) den FC Astoria Walldorf - und die Mannheimer gehen sensationell als Tabellenführer in die Begegnung.

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 09.03.2016

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